Montenegro erlebte nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2023 einen tiefgreifenden politischen Wandel. Der langjährige Machthaber Milo Đukanović unterlag Jakov Milatović, und nach langwierigen Koalitionsverhandlungen wurde eine neue Regierung gebildet. Während sich die Funktionsfähigkeit des Parlaments verbesserte, blieb die politische Polarisierung bestehen.
Die wirtschaftliche Entwicklung stabilisierte sich nach der Pandemie. Das Wachstum des BIP pro Kopf blieb moderat, und die Regierung setzte ausgewählte Reformen im Umwelt- sowie im Sozialbereich um. Die zweite Phase eines arbeits- und sozialpolitischen Reformpakets, erhöhte Löhne und Renten, trug jedoch zur Inflation bei und verfügte über keinen kohärenten strategischen Rahmen.
Die Regierungsführung verbesserte sich durch überfällige Justizernennungen und Antikorruptionsreformen, die Fortschritte im EU-Beitrittsprozess ermöglichten. Bemühungen um Konsensbildung werden oft von Nullsummenkonflikten überschattet, die entweder von der parlamentarischen Mehrheit oder von der Opposition ausgelöst werden. Gleichzeitig wurden zivilgesellschaftliche Akteure im Gesetzgebungsprozess häufig marginalisiert. Spannungen mit Kroatien beeinträchtigten zeitweise die regionale Zusammenarbeit und die EU-Verhandlungen.